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22Mai

Krisengedanken

Krisengedanken
Ungefragte Ratschläge: Segen oder Fluch?

Wer kennt sie nicht, die gut gemeinten Ratschläge der lieben Mitmenschen. „Also wenn ich Du wäre, dann würde ich ...“ oder „ich würde das ja anders machen“, sind Sätze, die beispielsweise beim lockeren Gespräch über Zukunftspläne im Bekanntenkreis meist nicht lange auf sich warten lassen. Dabei hatte man eigentlich gar nicht um Hilfestellung oder eine zweite Meinung gebeten.

Genau so erging es mir, als ich damals offen mit Kollegen und Bekannten über meine neue Geschäftsidee sprach. Ich war so begeistert von ihr, dass es nur so aus mir heraussprudelte. Ein großer Fehler, wie ich bereits einige Sekunden später feststellen musste. „Wow, das ist aber ganz schön mutig von Dir. Also ich möchte nicht auf ein geregeltes Einkommen verzichten. Hast Du Dir das wirklich gut überlegt?“, fragte mein Gegenüber. „Ja, der Sohn eines Nachbarn hat neulich auch alles verloren, schlimm!“, stieg eine weitere Bekannte in die Meinungspolonaise ein. Ohne dass ich es überhaupt wollte, war meine Lebensplanung zum Diskussionsthema der illustren Runde um mich herum geworden. Selber schuld, was plaudere ich auch so offen über solche Themen.

„Du schwimmst mit Deiner kreativen Energie und nicht gegen sie. Der Punkt ist einfach der, dass kein anderer erkennen kann, wann für Dich genau der beste Zeitpunkt gekommen ist, etwas Bestimmtes zu tun oder vielleicht auch nicht. Dein Bauchgefühl hingegen kann das ganz ausgezeichnet.“
Auszug aus: Dirk Stegner „In Wahrheit ich“ 

Doch nicht nur im kleinen Kreise, wird man leicht zur Zielscheibe für ungefragte Ratschläge und Empfehlungen aller Art. Auch auf Facebook & Co. gibt es viele Menschen, die andere gerne an ihrer Meinung teilhaben lassen, und das meist sehr sendungsbewusst. Missionstätigkeit anno 2020, möchte man fast schon sagen. Der Themenvorrat ist dabei nahezu unerschöpflich: gesunde Ernährung, Tier- und Kindererziehung, der Brexit, die Landtagswahlen, bis hin zum richtigen Verhalten während der Corona-Pandemie. Einmal kurz nicht aufgepasst und schon muss sich die eigene Meinung nicht nur gedanklich gegen starke externe Konkurrenz durchsetzen.

Stellt sich die Frage, warum das „Support-Gen“ in vielen von uns eigentlich so tief verankert ist? Dafür gibt es sicherlich eine ganze Reihe von mehr oder weniger guten Gründen. Die Angst, sich auch selbst verändern zu müssen, im Falle, dass andere ihrem Leben mutig eine neue Richtung geben, ist wohl einer der gewichtigsten. Jeder kennt gewiss das ungute Gefühl, das sich einstellt, wenn ein Freund sich mit dem Gedanken trägt, für immer wegzuziehen. Ist doch schön, so wie es ist, und nun soll sich durch diese Entscheidung auch mein Dasein verändern? Vielleicht sollte er lieber nochmal über seinen Entschluss nachdenken, ist ja schließlich ebenso zu seinem Wohle, oder nicht?

Oft ist es auch die „gut gemeinte“ Übertragung der eigenen Befürchtungen auf die Situation anderer. Wer Negatives erlebt hat, dessen Beschützerinstinkt ist schnell geweckt, wenn im Bekanntenkreis jemand von einer ähnlichen Problematik berichtet. Allerdings vergisst der Protektionist im Eifer des Gefechts gerne, dass die Menschen von Natur aus sehr verschieden sind. Was für den einen ein unüberwindbares Hindernis darstellen mag, meistert der andere förmlich mit Links. Zumindest, solange ihn seine und die übertragenen Zweifel nicht davon abhalten. Schützen „gute Ratschläge“ den Spender also vielleicht davor, eines Tages mit den lieben Sorgen alleine dazustehen, weil der Bekanntenkreis selbige längst schon überwunden hat?

In manchen Ratschlägen schwingt oft auch ein klein wenig Überheblichkeit und ein Hauch von Machtanspruch mit. „Ich weiß es doch nun wirklich besser als Du, schließlich habe ich ja studiert!“ oder „In meinem Einflussbereich werden die Dinge so gelöst, basta!“. Solche gedanklichen beziehungsweise verbalen Konstrukte sollen schnell klar machen, wer der Chef im Ring ist und helfen diesem, allzu kreative „Aussteiger“ bereits präventiv in Schach zu halten. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis, dass solche Ratschläge, so gut sie auch gemeint sein mögen, ihren „Opfern“ leider meist wenig weiterhelfen. Denn, jeder Mensch ist einzigartig sowie die Art und Weise, wie er Aufgaben bewältigt und mit Problemen umgeht. Oder bildlich ausgedrückt: Was nützt es dem Dieselfahrer, wenn ihm der Sportwagenliebhaber von den Vorzügen des Benzinmotors vorschwärmt?

Wer anderen wirklich helfen möchte, der rät nicht, sondern ermutigt und unterstützt. Das was insbesondere unsichere oder zweifelnde Köpfe garantiert am wenigsten gebrauchen können, sind zusätzliche Wahlmöglichkeiten in einer für sie ohnehin schon schwierigen Entscheidungssituation. Stattdessen könnten sie wahre Freunde und Fürsprecher brauchen. Menschen, die sie ermutigen, ihrer Intuition zu folgen, wo immer die sie auch hinführen mag. Menschen, die ihnen die Kraft geben, indem sie da sind, wenn sich die Entscheidung im Nachhinein als Fehler herausgestellt haben sollte, aber die Lernerfahrung für den Betroffenen einfach wichtig war. Menschen, die nicht urteilen, sondern andere auch mal da stehen und gehen lassen können, wo sie authentischer Weise hingehören, ohne Angst davor zu haben, selber schlechter dazustehen.

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Dirk Stegner

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